Sel des Alpes - Der blog

Vom Garten direkt auf den Teller – eine Reise in die Geheimnisse des Gärtnerns

None

Werdet Fan unserer Facebook-Seite und folgt so Sophies Abenteuern.

Wozu einen kleinen Gemüsegarten anlegen?

2050 werden 70 % der Weltbevölkerung in urbanen Zonen leben. Und obwohl es nicht zu empfehlen ist, im Treppenhaus eine Hühnerzucht zu betreiben oder auf dem Balkon eine Ziege zu halten, sind Ihnen die Freuden des Gärtnerns auch in der Stadt nicht vergönnt. Typisch ist zum Beispiel ein kleiner Kräutergarten, aber auch Früchte und Gemüse können auf knappem Raum angebaut werden. Das Gärtnern gehört schliesslich zu den einfachen, aber sehr erfüllenden Freuden des Lebens, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten. Und wenn Sie mit den Händen in der Erde wühlen, entdecken Sie vermutlich auch die Freude am guten Essen wieder. Eine Freude, die mich jeweils überkommt, wenn ich mir einen Mojito mit Pfefferminz-Blättern aus dem eigenen Garten mixe, oder wenn ich eine Pasta al Pesto mit selbstgezogenem frischen Basilikum zubereite. Und spätestens wenn ich das Gericht meinen Gästen serviere, kann ich es mir nicht verkneifen, ihnen stolz auf die Nase zu binden, dass die Zutaten aus meinem eigenen Garten stammen.

Probieren Sie es aus, dann werden Sie mich verstehen! Pflanzen Sie etwas Basilikum an, Erdbeeren, Salate, eine Tomatenstaude – und ihre fünf Sinne werden zu neuem Leben erwachen: Ihre Augen werden sich an den satten Farben der Blumen und Früchte nicht sattsehen können; der Duft der Kräuter wird sie betören; das Wühlen in der Erde, das Streicheln der Blätter, das Ernten der Früchte wird sie mit der Natur verbinden und das Flüstern des Windes in den Blättern wird Ihre Ohren umschmeicheln. Und Ihr Geschmackssinn wird selbstverständlich auch auf seine Kosten kommen. Allerdings erst nach reichlich verdientem, geduldigen Warten – was den Genuss schliesslich nur noch steigert. Denn im Unterschied zu einem Ziergarten, können Sie bei einem Gemüsegarten auch kosten, was Sie ziehen.

Und schliesslich ist das Gärtnern auch gut für Körper und Seele. Sie glauben mir nicht? Dann schauen Sie sich im Cluster Früchte und Gemüse (G15) um. Da lernen Sie, warum man die Erdbeere auch Venusträne nennt, Sie erfahren, welches das meist angebaute Gemüse der Welt ist oder auch, woher die Aubergine kommt.

Und sogleich werden auch Sie die Lust verspüren, immer frischen Oregano zur Hand zu haben, um Ihre Pizzen zu würzen, oder etwas Lavendel, um ein simples Vanille-Glacé zu verfeinern. Die Frage ist nur, wie man das am besten anstellt.

Cascina Triulza-1141.jpg

Wie legt man am besten einen kleinen Gemüsegarten an?

Im Slow Food Theater (H26) ist mir zwischen den zahlreichen Büchern zu Themen der Nahrungsmittelproduktion und -konsumation, die es dort in allen Variationen, für gross und klein, für blutige Anfänger und eingefleischte Liebhaber, gibt, ein Buch in die Augen gestochen: Die Freuden des Gärtnerns. Es behandelt verschiedene Arten von Gärten (urban, dekorativ, traditionell) und gibt gute Ratschläge, wie das grüne Abenteuer am besten gelingt. Natürlich konnte ich es mir auch nicht verkneifen, mir eine kleine Tour durch die verschiedenen dargebotenen Gärten geben zu lassen.

Hier sind die sieben goldenen Regeln, die ich dabei gelernt habe: 

  • Regel Nr. 0 – Zeitmangel ist kein Hindernis! Wenn Sie nur wenig Zeit haben, dann bauen Sie eben nur wenig Kräuter oder Gemüse an.
  • Regel Nr. 1 – Machen Sie sich bewusst, wo Sie wohnen. Sie wissen das natürlich bereits. Ich meine damit aber, dass Sie sich den klimatischen Bedingungen Ihrer Umgebung bewusst sein sollten, denn schliesslich möchten Sie den Garten nicht nur auf die bestmögliche Art anlegen, sondern auch sicherstellen, dass Ihre Pflänzchen Jahr für Jahr aufs Neue spriessen.
  • Regel Nr. 2 – Seien Sie sich im Klaren, dass Regel Nr. 1 noch nicht alle Bedingungen abdeckt. Weiter zu beachten sind nämlich Faktoren wie vorhandener Platz, Sonneneinstrahlung und Windschutz.
  • Regel Nr. 3 – Ob Sie Luxusbehälter oder alte Töpfe verwenden, füllen Sie auf jeden Fall immer eine Schicht Hydrosteine auf den Grund, damit die Wurzeln atmen können und die Luftfeuchtigkeit aufrechterhalten wird.
  • Regel Nr. 4 – Verwenden Sie lokale Kulturen, die sich nicht erst an das Klima anpassen müssen.
  • Regel Nr. 5 – Beachten Sie die Fruchtfolge beim Anbau der Kulturen und bepflanzen Sie Ihr Beet mit mehreren Pflanzenarten, um den Nährstoffverlust des Bodens und übermässige Verdunstung zu vermeiden (z. B. Zwiebeln und Salat im gleichen Topf).
  • Regel Nr. 6 – Wählen Sie den Anbau von Nutzpflanzen: Zwiebeln halten Schnecken fern; Luzernen sind proteinreich und düngen den Boden; Kapuzinerkresse vertreibt die Insekten, ist reich an Vitamin C und wird Ihre Rezepte auf wunderbare Art und Weise verfeinern.
  • Regel Nr. 7 – Säen Sie selber aus. Achten Sie darauf, dass Sie samenfestes Saatgut und keine Hybride (auf deren Packung F1 steht) verwenden. Letztere erlauben es Ihnen nämlich nicht, Samen für das nächste Jahr zu gewinnen. Es handelt sich also um eine Art Wegwerfprodukt, das überhaupt nicht nachhaltig ist. Sebastian, den ich im Pavillon zur Biodiversität (D23) getroffen habe, empfiehlt zu diesem Thema sogar biodynamisches Saatgut, das in der Schweiz gezüchtet wird. Oder fragen Sie einfach René, den Bauern, danach!

Und mit den Bio-Abfällen aus Ihrem Garten legen Sie am besten einen Kompost an, um damit Ihren Boden zu düngen. 

Slow_Food_Theater-1141.jpg

Cluster_Fruits_Legumes_2-1141.JPG

 

Was soll man anbauen?

Versteigen Sie sich auf keinen Fall in überspannte Selbstversorger-Ideen. Mais oder Weizen können Sie nicht auf Ihrem Balkon anbauen. Die wichtigste Regel bei der Wahl der Pflanzen: Folgen Sie dem Rhythmus der Jahreszeiten. Gehen Sie also noch einmal zum Cluster Früchte und Gemüse, um sich inspirieren zu lassen. Sie finden dort bei jeder Pflanzenart eine Tafel mit nützlichen Informationen bezüglich der Anbauzeit und den Inhaltsstoffen der Pflanze sowie kleine Anekdoten zu ihrer Geschichte. Auf spielerische Weise erfahren Sie so allerlei Wissenswertes über die verschiedenen Pflanzenkulturen.

Im Wonnemonat Mai sollten Sie zum Beispiel Rucola, Tomaten, Peperoni und Zucchini anpflanzen. In einigen Wochen können Sie die Zucchiniblüten auf italienische Art frittieren (die sehr schmackhaften fiori di zucca fritti) oder Ihr sonnenverwöhntes Gemüse mit etwas Olivenöl in den Ofen schieben – oder auch einfach ein Stück Fleisch oder einen Fisch mit einem herrlich frischen Salat servieren.

Und falls Sie sie rechtzeitig angepflanzt haben, können Sie bereits die ersten Erdbeeren und Himbeeren ernten. Ah, so lecker! Sie haben immer noch etwas Platz auf der Terrasse? Pflanzen Sie einen Zitronenbaum. Oder hängen Sie zumindest ein Foto dieser herrlichen Ausstellung zu den Obstbäumen I giardini delle meraviglie auf, zum Beispiel jenes mit dem Aprikosenbaum der Schweizer Künstlerin Irene Kung.

Natürlich können Sie auch einen Heilkräutergarten mit Salbei, Kamille und Stevia anlegen. Alles Pflanzen, die man nur ab und zu giessen muss, die aber eine gute Wirkung auf die eigene Gesundheit zu erzielen.

Falls es Ihnen trotzdem noch an Ideen mangelt, begeben Sie sich einfach in die Cascina Triulza (F11), wo die Region Umbrien, die auch „das grüne Herz Italiens“ genannt wird, Gärten angelegt und das App Hortus Expo 2015 (ab 23. Mai 2015 gratis erhältlich) entwickelt hat, damit Sie sich sogar in der S-Bahn mit Ihrem Garten beschäftigen können. 

pavillon_USA-1141.jpg

Gesehen an der Expo 2015

Und weil ein Garten doch schliesslich schön aussehen soll, habe ich auch nach tollen Deko-Ideen Ausschau gehalten, um ihren piccolo orto aufzuwerten. Wenn Sie nach Konzepten suchen, die sich einfach umsetzen lassen, gehen Sie am besten in den deutschen Pavillon (G22), wo in grossen Kisten allerlei Pflanzen blühen. In Holland (G18) befinden sich diese natürlich auf einem Velo, oder auch auf dem Tisch vor dem Pavillon. Falls Sie wirklich sehr wenig Platz haben, werfen Sie am besten einen Blick in den Kuweit-Pavillon (G22). Dort sind die einzelnen Ausstellungen durch meterlange Blumenkästen abgetrennt, um verschiedene Räume zu schaffen, ohne das Licht zu beeinflussen. Oder auch auf den Cardo (Ebene G20), wo Sie ein wunderbares Beispiel einer Pflanzenwand bestaunen können, in der die ganze Vielfalt der italienischen Küchenkräuter vertreten ist. Weniger einfach umzusetzen, da technisch anspruchsvoll, ist hingegen das System der vertikalen Begrünung, das im amerikanischen Pavillon (G23) vorgeführt wird. An verstellbaren und der Sonne nach ausgerichteten Wänden werden Salate in Säcken aus Sojafasern angebaut und automatisch bewässert.

Nun sind Sie bereits bestens gerüstet, Ihren eigenen Garten in Angriff zu nehmen. Es sei denn, Sie möchten sich auch gleich eine eigene Drohne zulegen, um zu überwachen, wer Ihren kleinen Garten heimlich besucht!

Hollande-1141.jpg

Sophie, Sonntag, 24. Mai 2015

24. Mai 2015
sda.ch_Sticky_eShop_60x60.png