Sel des Alpes - Das blog

SLOW-TRAIN – eine Bio-Gourmet-Reise von Italien in die Schweiz

Von Italien in die Schweiz ist es nur ein Katzensprung. Und von der Expo durch das Veltlin bis ins Puschlav gibt es nur eine einzige Zugstrecke. Zumindest im Expo-Jahr; ein einmaliges Ereignis, das bereits am 31. Oktober zu Ende geht. Bis dahin bietet sich aber noch eine einzigartige Gelegenheit, die aussergewöhnlichen Landschaften des Smart Valleys an Bord eines Gourmet-Zugs zu durchqueren. Es handelt sich dabei um einen historischen Zug ganz wie in alten Zeiten, wo Sie die Vielfalt der biologischen und regionalen Produkte entdecken können, die von kreativen und inspirierten Sterneköchen in Szene gesetzt werden. Steigen Sie ein und nehmen Sie an einer ganz aussergewöhnlichen Erfahrung teil.

Es gab eine Zeit, als man sich für das Reisen noch Zeit nehmen musste. Zeit für die Vorbereitung, das Hinausschauen, das Entdecken, das Probieren und Bestaunen. Genau darum geht es beim Slow-Train, der Sie durch das Veltlin, die Wiege des Adda-Flusses auf der italienischen Seite in der Provinz Sondrio, und das Puschlav, den italienischsprachigen Teil des schweizerischen Graubündens, bringt. Diese Region ist die Heimat eines der ersten elektronisch angetriebenen Züge Italiens, , dessen Erbe der Slow-Train nun antritt. Der aus dem Ende des letzten Jahrhunderts stammende italienische Zug wurde frisch restauriert, um Eisenbahn-Liebhabern eine einzigartige Erfahrung zu bieten, touristische Entdeckungen und die biologisch-kulinarische Freuden miteinander zu verbinden. Eine Fahrt ganz im Zeichen der Zeit. Um die Zeit wiederzufinden, in Harmonie mit der Natur zu leben. Eine Landschaft, die im Herzen der Alpen unberührt ist,, reich an Nationalparks, Naturschutzgebieten und Denkmalen und reich an  Schätzen regionaler Produkte, die nur einige lokale Küchenchefs durch ihr Talent und ihre Kreativität gebührend zu würdigen verstehen. Als Liebhaberin von Zugreisen und kulinarischen Höhenflügen konnte ich es mir natürlich nicht entgehen lassen, diese einzigartige Erfahrung mit Ihnen zu teilen.

17.45 Uhr: Pünktlich treffe ich am Bahnhof Rho Fiera ein. Von hier geht es sowohl an die Expo in Mailand als auch zurück in die Schweiz. In den Gängen und auf den Gleisen drängen sich die Reisenden, ein Gewirr und Stimmenmeer wie zur Rushhour. Im Soussol begebe ich mich zum Slow-Train-Treffpunkt, wo mich eine Zugbegleiterin in Empfang nimmt. Ich werde im Wagen 2, Platz 43 reisen. Mein Sesam-öffne-dich für diese Reise: ein rotes Armband mit den Stempel des Slow-Trains. Die Wartezeit ist lang, aber ach, wie aufregend!

18.45 Uhr: Obwohl die Abfahrt in vier Minuten stattfinden soll, steht noch immer ein Regionalzug auf Gleis 2, wo meine Mitreisenden und ich ungeduldig auf den Startschuss für unsere Reise warten

18.49 Uhr: Das Gleis ist wieder frei und plötzlich fährt wie aus dem Nichts ein Zug ein. Es ist der Slow-Train, der Zug für die Reise in die Vergangenheit. Seine Lokomotive erstrahlt in neuem Glanz und präsentiert stolz die Buchstaben „FS“ für Ferrovie dello Stato Italiane. Dahinter befinden sich mehrere kupferfarbene Waggons. Sogleich werden wir eingeladen, einzusteigen. Schnell muss es gehen, der Zug wartet nicht. Die Reisenden beeilen sich und machen sich neugierig auf die Suche nach ihrem Platz. 

18.52 Uhr: Vor mir eröffnet sich das spektakuläre Bord-Restaurant. Inmitten eines Dekors im kupferfarbenen Schimmer, ganz im warmen Licht eines Spätsommertags gehüllt, stehen elegant gedeckte weisse Tische mit von lokalen Handwerkern ad hoc hergestellten Tellern. Ich begebe mich zu Tisch und grüsse meine Mitreisenden. Man spricht Italienisch, Deutsch, Englisch, Französisch; man spricht über das Schöne, das Gute und das Biologische. 

19.03 Uhr: Nach den Einführungen und Vorstellungen tauche ich ganz in diese einzigartige Reise ein, die mich durch die atemberaubenden Landschaften des Comer Sees bis nach Tirano bringt. Obwohl die Nacht bereits hereinbricht, sind im Licht des roten Mondes die terrassenförmig angelegten Weinstöcke des Veltlins und des Valposchiavos deutlich erkennbar.

19.20 Uhr: Der Abendservice beginnt. Die jungen Erwachsenen der Berufsschule des Veltlins in Sondrio stehen bereit, aufmerksam, lächelnd und behände. Einige tragen die traditionellen Trachten. Der Abend ist eröffnet, und schon servieren sie uns ein erstes Gläschen der verschiedenen Weine aus den Kellern von Plozza und Sesterzio, die während des Dinners serviert werden. Während ich das Menu erkunde, erlaube ich mir einen kleinen Sprung in den Küchenwaggon, um die Küchenchefs zu begrüssen, die uns bald verwöhnen werden. Die Atmosphäre ist angeregt und entspannt.

19.43 Uhr: Zurück an meinem Tisch hält das Gericht der grossen Schweizer Meisterin der natürlichen Küche, Meret Bissegger des Casa Merogusto, seinen Einzug. Auf einem rechteckigen Teller aus Stein liegt eine Scheibe Hackbraten aus Schweinefleisch, begleitet von süsssaurem Kürbis und einer Pfeffer-Maismehl-Creme.

20.18 Uhr: Nachdem ich den historischen Wagen besucht habe, wo manchmal weitere Speisen serviert werden, wird der antipasto aufgetragen. Il Sogno e l’Emozione. Ein vierhändiges Duo voller Emotionen, gezeichnet vom Sternekoch Gianni Tarabini des Restaurants La Présef und Francesco Cranchi des Restaurants Aquadolce, das teilweise aus den Produkten der fattoria La Fiorida hergestellt worden ist. Ein puschlaver Bio-Ei aus dem Ofen auf einem Beet von biologischen Kartoffeln, geschmolzenem Vollfettkäse aus den Schweizer Alpen und schwarzem rätischen Trüffel.

20.34 Uhr: Die Atmosphäre ist entspannt und Meret Bisseger kommt vorbei, um ihren primo vorzustellen und uns geröstete Buchweizenkörner zum Degustieren anzubieten, ein Bestandteil ihrer Kleinen Buchweizen-Gnocchi, die von rohen Gemüsen aus dem Valposchiavo und geräuchertem Bio-Ricotta begleitet werden. 

20.40 Uhr: Die Geräusche des Zugs begleiten unser Abendessen. Nun scheinen sich alle wohlzufühlen. Und schon wird der secondo aufgetragen. Es gibt Kalbsbäggli auf roten Früchten, Knollensellerie-Püree und Kefen an Olivenöl extra vergine. Ein Rezept von Fabio Silva des Derby Grill des Hotel de La Ville in Monza, das auf runden Tellern aus lokalem Stein der Nuova Serpentino und hölzernen Untertellern mit dem Bildnis des Slow-Trains serviert wird.

21.20 Uhr: Die Reise neigt sich schon bald ihrem Ende zu. Um das Abendessen abzurunden, haben sich Gianni Tarabini und Andrea Bianchi ein cremiges und knuspriges Dessert ausgedacht, das an das Holz und das Messing der Einrichtung erinnert: ein Cannolo mit Geissen-Ricotta aus dem Puschlav, dunkler Schokolade und Arabica-Mousse. 

21.50 Uhr: Kaffee Gimoka, lokaler Panettone auf luftiger Präsentation in Form von Weinblättern. Zum dampfenden Kaffee fehlt nur noch die Dampflokomotive. 

22.30 Uhr: Tirano. Endstation. Es steigen alle aus. Zumindest für dieses Mal. Der Traum geht zu Ende. Ich muss zurück nach Mailand, wo es noch so viel für Sie zu entdecken gibt. Ein Traum einer letzten Sommernacht im Herzen des Valposchiavo, Smart Valley, wohin ich, das steht fest, auf jeden Fall zurückkehren werde. 

 

Praktische Informationen:

Preis des Billets für den Slow-Train: 250 Euro

Um von Tirano zurück zur Expo 2015 zu gelangen, nehmen Sie die Züge Trenord Tirano-Expo2015 und steigen in Monza um:

7:12 / 9:08 / 11:08 / 12:08 / 13:08 / 15:08 – Ankunft in Rho Fiera Expo2015 10:09 / 12:09 / 14:09 / 15:09 / 16:09 / 18:09

Nehmen Sie die Gelegenheit wahr und besuchen Sie die Expo 2015. Mit dem Slow-Train reduziert sich ihr Eintritt auf 22 Euro (statt den üblichen 39 Euro).

Nächste Abfahrt des Slow-Trains: 23. Oktober. Alle nötigen Informationen finden Sie auf: http://www.slow-train.it (auf Italienisch) Telefonische Reservation (Valtellina Hotels Sunrise : +39 335 5475615) oder per E-Mail (info@slow-train.it).

Sophie, 6. Oktober 2015

(Fotos: Mona Caron)

6. Oktober 2015
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