Sel des Alpes - Das blog

Wo bekommt man in Milano ein gutes Glace?

Haben Sie gewusst, dass auf der Welt jede Sekunde 412 Liter Rahmglace produziert und verspeist werden? Und dass die Spitzenesser die Neuseeländer sind? Sie liegen mit 27 Litern pro Jahr weit vor den Schweizern, die den Italienern immer noch voraus sind (14 Liter pro Jahr gegenüber 9,3 Litern pro Jahr). Nun wird es aber noch schwieriger: Wo findet man die besten Glaces von Milano? Sie wissen es nicht? Noch nicht! Da il gelato diesen Samstag an der Expo 2015 im Mittelpunkt stand, stelle ich Ihnen heute nämlich ein paar Feinschmeckeradressen vor. Ob gross oder klein, jede gelateria (Glaceladen) in Italien birgt ihr eigenes geheimes Familienrezept — mit einer Gemeinsamkeit: jede einzelne ist um die Qualität und Besonderheit der angebotenen Sorten besorgt. Nun, sind Sie bereit für eine intergalacische Reise?

CIACCO

Die Gelateria Ciacco ist auch unter dem Namen il gelato senz’altro bekannt und verspricht Ihnen ein echtes hausgemachtes Glace. Nur ein paar Schritte vom Duomo entfernt, in der Strasse Mailands, wo der gute Geschmack überall anzutreffen ist und wo sich die Feinkosthandlung Peck befindet, von der im Blog Auf kulinarischer Einkaufstour in Mailand die Rede war, da bietet Ciacco gesunde Rezepturen aus Wasser, Milch, Zucker, Ballaststoffen und Eiweissen natürlichen Ursprungs, ohne Pektine, Konservierungsmittel oder raffinierten Zucker an. Ciacco verfolgt mit seiner Herstellung eine klare — um nicht zu sagen radikale — Linie und hat sich deswegen auch für die Auswahl seiner Produkte nur dem Besten verschrieben. So werden nur Früchte mit geschützter Herkunftsbezeichnung (DOP) oder geschützter geographischer Bezeichnung (GGB) verwendet wie zum Beispiel Pistache-Nüsse aus Bronte, Haselnüsse aus dem Piemont usw. Neben den klassischen Sorten, die aber nicht weniger lecker sind, bietet Ciacco auch Extravagantes an, so das Matchatee-Glace oder das Quasi-Cheescake-Glace, das aus Valsassiner Robiola-Frischkäse, caramelisierten Pistache-Nüssen und Erdbeerconfitüre besteht. Falls sie die Zitronengranita noch nicht kennen, ein typisches Sorbet aus Süditalien, dann dürfen Sie sich das keinesfalls entgehen lassen. Und sogar wenn Sie unter Lebensmittelunverträglichkeiten leiden, können Sie es sich bei Ciacco schmecken lassen.

Wo? Via Spadari 13 (Duomo)

Montag bis Samstag, von 8.00 bis 21 Uhr und Sonntag von 14.00 bis 21.00 Uhr.

Cioccolati italiani

Willkommen im Land der Schokolade! Natürlich gibt es hier auch Glace – aber nicht nur! Hier bekommen Sie auch Kuchen, Fondues, Crêpes, Brot und Waffeln. Und all dies mit leckerer Schokolade. Der ganze Schön- und Genussgeist Italiens für die Schokoladenmäuler steckt im Cioccolatini Italiani. Ob originell im Glas präsentiert oder ganz einfach im mit geschmolzener schwarzer oder weisser Schokolade gefüllten Cornet, hier kommt bestimmt jeder Feinschmecker auf seine Kosten. Mit einer Kugel Rosen-Schokoladenglace – einfach himmlisch. Und was Sie sich meiner Meinung nach nicht entgehen lassen sollten, ist das Black-Cherry-Glace. Die Karte mit den Geschmacksrichtungen wechselt zwei Mal pro Jahr. Das sind doch schon zwei gute Gründe, auch wenn Sie für einen Sitzplatz auf der Terrasse zusätzlich bezahlen müssen. Am Wochenende bietet das Cioccolatini italiani einen Feinschmecker-Brunch an, dem Sie bestimmt nicht widerstehen können. Merken Sie sich diese Adresse, falls Sie das Museo Diocesano besuchen sollten, das sich ebenfalls in diesem Quartier befindet. Anlässlich der Expo wurde sogar eine spezielle Sorte entwickelt: Fino de Aroma.

Wo?

Via de Amicis 25 (San Ambrogio)

Montag, Dienstag, Mittwoch und Sonntag von 7.00 Uhr bis Mitternacht und sonst bis 1.00 Uhr früh.

Sowohl im Quartier Duomo an der Via San Raffale und an der Via Torino als auch in Cenenatico, Como, Gallipoli, Varese, Vimercate und sogar in Dubai, Riad und Kuwait City.

Gelateria Sartori

Wir befinden uns nun gleich neben dem Hauptbahnhof, unweit der Bushaltestellen der Linien, die zu den Flughäfen Linate und Malpensa fahren. Ganz ehrlich, ich denke nicht, dass sie sich in die Gelateria Sartori wagen würden, wenn Sie mir nicht vertrauen. Das wäre ein Irrtum! Es handelt sich hierbei um eine historische Adresse Mailands. Die Geschichte geht zurück bis ins Jahr 1937, als Andrea Sartori, ein Landarbeiter aus der Provinz Treviso, sich entschied, nach Milano auszuwandern, wo er das Handwerk des Eiskonditors entdeckte. Dank seiner Zielstrebigkeit konnte er einen Wohnwagen erwerben und da seine Glaces verkaufen, für die nur die besten Zutaten in Frage kamen – allen voran sein Herzblut. Und mit der Nachkriegszeit kam der Erfolg: Sartori liess sich in einem Häuschen nieder, das seither an seiner Ursprünglichkeit nichts verloren hat – ganz im Stile der 60-er Jahre mit Neonröhren im Schaufenster. Aber hier wird sich Ihr Gaumen wieder erinnern! Hier finden Sie vertraute Sorten wie das Glace Malaga, Zabaione oder die ganz klassischen. Und diese sogar, wenn Sie Lebensmittelunverträglichkeiten haben. Heute kümmert sich der Enkel Anthony mit dem selben Geist wie sein Grossvater um das Geschäft. Er hat mir die beliebtesten Sorten von chez Sartori verraten, es sind Haselnuss, Bronte-Pistache, Cassata (ein sizilianisches Dessert aus Ricotta und kandierten Früchten (Anm. d. Red.), aber auch herkömmliche Geschmacksnoten wie Baumnuss und zuppa inglese (Bisquitdessert mit Likör, Anm. d. Übers.). Angesichts der Hitze dieses Sommers möchte ich Ihnen aber nichtsdestotrotz eine leckere Siracusa-Zitronengranita mit Mandeln aus Catana ans Herz legen. «Gelati Sartori, gelati Superiori!» Das sagt doch alles!

Wo? Piazza Luigi Savoia 1 (Hauptbahnhof)

Saisonale Öffnungszeiten vom 1. März bis 31. Oktober: täglich 11.00 Uhr bis Mitternacht.

Gelato giusto

Vor sechs Jahren hat Vittoria in einer Querstrasse zum Corso Buenos Aires, einer der grössten Einkaufsstrassen der Stadt, ihr Geschäft eröffnet. Nachdem sie die französischen Konditor-Akademie «Le Cordon Bleu» besucht und sich ihre Sporen bei Ladurée verdient hatte, machte sie Halt in Paris und spezialisierte sich dort auf die Kunst der Mini-Patisserie, bevor sie ihre Ausbildung an der Académie Valrhona fortführte. In einem schlichten Lokal bietet Victoria Glacespezialitäten auf höchstem Niveau an, welche nur mit frischen Zutaten bester Qualität wie piemontesischen Haselnüsse, Bronte-Pistache-Nüssen und Saisonfrüchten zubereitet werden. Mit 16 Geschmackssorten im Sommer und 12 im Winter hat sie sich sogar bei Glaceliebhabern mit Lebensmittelunverträglichkeiten einen guten Ruf gemacht. Wenn Sie also auf einer Shoppingtour durch das Quartier sind, lassen Sie sich doch auf ein einfaches, gesundes und elegantes Vergnügen nieder.

Wo? Via San Gregorio 17

Dienstag bis Samstag, von 12.00 bis 23.00 Uhr. Sonntag bis 21.00 Uhr. Montag geschlossen.

GROM

Seit das Unternehmen 2003 internationale Anerkennung bekommen hat, kommt man nicht mehr darum herum, sich damit zu befassen. Das in Turin entstandene Imperium hält den seit Beginn sehr hohen Ansprüchen seiner Gründer Guido Martinetti und Federico Grom stand: inspiriert von Carlo Petrini, dem Gründer der Slowfoodbewegung, werden bezüglich der Qualität keine Kompromisse eingegangen und die Tricolore Italiens in Glaceform in die Welt hinausgetragen. Nur aus Zutaten bester Qualität hergestellt, für welche die beiden viele Reisen unternommen haben, um herauszufinden, was die Erde, und insbesondere die italienische Erde, zu bieten hat. Die Glaces von Grom kommen ganz ohne Farbstoffe, Aromen, Koservierungsmittel oder Emulgatoren aus und halten den Mythos aufrecht, Glaces wie von anno dazumal zu sein («il gelato come una volta»). Auch die Lieferanten unterliegen den selben Qualitätsanforderungen, so kommt bei der Herstellung nur das Quellwasser Sparea® zum Zuge, und weil das Beste immer aus dem eigenen Garten kommt, hat Grom 2013 mit dem Projekt Mura Mura® seine eigene landwirtschaftliche Produktion gestartet. Auf über zwanzig Hektaren wachsen hier über hundert verschiedene Früchte wie Pfirsiche, Birnen, Aprikosen, Feigen usw., und zwar nach den Regeln der biologischen Landwirtschaft. In jeder der über ganz Italien verteilten Verkaufsstellen bildet die in Turin hergestellte Mischung die Basis. Die ganze Produktion folgt den ökologischen Prinzipien des Projekts Grom Loves World. Das Projekt trägt das FSC-Label gegen die Zerstörung der Wälder, und Plastik wird beispielsweise durch Mater-Bi, ein aus Kompost produziertes Material, ersetzt. Über das Streben nach Qualität erzählen die Gründer auch in ihrem Buch Grom. Storia di un’amicizia, qualche gelato e molti fiori.

Sagen Sie mir nicht, Sie wollen nicht noch mehr erfahren! Denn die Liste der Geschmacksrichtungen ist lang: Es gibt klassische Sorten wie Bacio, Caffè Guatemala, Crema come una volta, Pistache, Stracciatella oder aber durch die italienische Küche inspirierte wie Cassata siciliana, Tiramisù, Zabaione – und ein einziges Extra: la panna montata (Schlagrahm). Und falls Sie sich nicht entscheiden können, kann ich Ihnen nur empfehlen, einen Blick auf die Auswahl des Monats zu werfen. Schon die Namen der Sorten lassen einen träumen: Zitronen aus Syrakus, Haselnuss «Tonda Gentile», Caffè Guatemala, venezolanische «Ocumare»-Schokolade vom berühmten Turiner Chocolatier Domori usw.

Mit der Zeit hat Grom angefangen, Frappés, affogati (Rahmglace mit Espresso übergossen) und heisse Schokolade anzubieten; und vor Kurzem sogar Bisquits, die Sie in der Grom Bakery erstehen können! Ein Know-how, das sich im knusprigen Cornet wiederfindet, sofern Sie sich für ein Glace zum Mitnehmen entscheiden.

Wo?

Via Buenos Aires 13 (Porta Venezia)
Via A. da Giussano 1 (Concilazione)
Via S. Margherita 16 (Teatro alla Scala)
Corso di Porta Ticinese 51 (Basilica San Lorenzo)
Piazza Argentina (Loreto)
Piazza Gae Aulenti 8 (Garibaldi)

Grom finden Sie überall in ganz Italien, aber auch in Dubai, Djakarta, Hollywood, Malibu, New York, Osaka und Paris.

I Gelati di Nanina

Wenn es Ihnen nichts ausmacht, ein paar Schritte zu gehen, um Ihr Glace zu verdienen, nehme ich Sie mit in Richtung Parco Solari, um die von Donatella (Dona) und Daniela (Dani) gegründeten Gelateria I Gelati di Nanina zu entdecken. Wegen ihrer Leidenschaft für gute Produkte haben die beiden Freundinnen erst einige Kurse absolviert, bis sie schliesslich ihr eigenes Geschäft eröffneten. Ihre Glaces sind aus Milch, Rahm und Joghurt, Rohrzucker, frischen Früchten und regionalen Zutaten (auch hier Pistache-Nüsse aus Bronte und Haselnüsse aus dem Piemont) hergestellt; auf gehärtete Fette, Konservierungsmittel, Farbstoffe und Aromen wird gänzlich verzichtet.

Aber das, was Sie dazu bringen wird, so weit zu Fuss zu gehen, sind hauptsächlich die originellen Rezepte auf der Grundlage von aromatischen Pflanzen und Schokolade (weisse Schokolade und Bergamotte, Schokolade und Wasabi, Schokolade und Rosmarin) oder von Früchten (Bananen und Thymian, Orange und Anis, Zitrone und Basilikum). Vielleicht fühlen Sie sich ja auch von Düften essbarer Blüten angezogen: Spirulinaalge, Jasmin, Lavendel oder Veilchen. Ich persönlich liebe es. Etwas weniger gefallen mir die Aperitif-Glaces wie Mojito- oder Piña-Colada-Glace, aber wenigstens sind sie sehr gut dosiert.

In der Gelateria I Gelati di Nanina können Sie alles entdecken, was mit Glace zu tun hat, vom Frappé über das Frullato und das mit Glace gefüllte sizilianische Brioche, das beim ersten Mal etwas überrascht, bis zum semi freddo, ganz zu schweigen natürlich von den klassischen Stängelglaces. Auch hier müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn auch mit Lebensmittelunverträglichkeiten kommen Sie auf Ihre Kosten.

Wo? Via Foppa 52 (Pagano/Vercelli Sant Agostino)

Im August: täglich ausser Montag, 16.00 bis 22.30 Uhr

La Bottega del gelato

Als Giunetto Cardelli 1964 seine Gelateria eröffnete, konnte er sich nicht vorstellen, dass sein Geschäft 50 Jahre später eine Auszeichung der Stadt Mailand als bottega storica bekommen würde. Die Geschichte dieser toskanischen Familie ist eben eine leidenschaftliche, wie Marina, die Frau des Sohnes Marco und nunmehr Geheimrezepthüterin, erzählt: «Hier ist gar nichts vorfabriziert», macht sie mir klar. «Jede Sorte hat ihr eigenes Rezept.» Stellen Sie sich das vor: Eine Vitrine mit um die fünfzig verschiedenen Frucht- und Rahmglacesorten. Wie können Sie hier eine Wahl treffen? Also, wenn Sie es nicht schaffen sollten, dann empfehle ich Ihnen die Spezialität des Hauses – kandierte Früchte; die haben mich an die Weihnachtsdüfte in meiner Kindheit erinnert. Clementinensorbet natürlich, aber auch Apfel, Birne, Avocado und sogar Litschi. Ein sehr raffiniertes Dessert. Erwarten Sie hingegen nicht, sich an einen Tisch setzen zu können. Hier ist alles auf dem banco. Es ist schon ein Glück, dass Sie das Glace in einem kleinen Cornet mitnehmen können, denn in früheren Jahren hat die Meinung, die Reinheit des Produkts könnte darunter leiden, diese Möglichkeit ausgeschlossen.

Wo? via Pergolesi 3 (Gare Centrale FS)

Täglich ausser Mittwoch von 10.00 bis 24.00 Uhr 

Venchi  

Venchi war ursprünglich ein Chocolatier. Seit 1878 ist bei Venchi alles ciocco! Zartbitter, Gianduja, Light, Pralinen, Bruchschokolade ... Bis 2006 musste man sich gedulden, um zu erleben, wie sich das Unternehmen aufs Glace-Glatteis begab. Aber seien Sie unbesorgt, Venchi konnte gar seine Farb- und Geschmackspalette erweitern und bietet nun sogar Fruchtglace an. Je nach Geschäft variiert die Anzahl der erhältlichen Sorten. Die Hausspezialität ist das Glace «unico», das vor Ihren Augen zubereitet wird, als handle es sich um einen Espresso. Die beinahe einheitlichen Glaces schreien geradezu nach einer grossen Auswahl an Toppings wie Kirsche, Haselnuss, Mandel, Caramel oder natürlich Schokolade! Auf der Internetseite können Sie Ihr Glace bestellen, um es dann im Laden abzuholen, ausser Sie wählen gleich den Hauslieferdienst, der in Zusammenarbeit mit Buonappetito Milano angeboten wird.

 

Wo?

Piazza Cadorna
Via Mengoni
Via dei Mercanti
Smeraldo at Eataly
Grand Central Station
Flughafen Malpensa und Linate

Venchi gibt es in Europa, in Asien und in den USA.

Es tut mir leid, dass ich bis ans Ende des Artikels gewartet habe, um das Geheimnis zu lüften, aber der Ursprung des Glaces liegt nicht nur in Italien. Während Nero bereits Früchte mit Schnee und Honig gekostet hat, so trugen die Chinesen, die Türken und die Amerikaner bestimmt auch ihren Teil zur Geschichte der Glace bei. Aber auch die Expo hat ihren Beitrag geleistet, denn das Cornet wurde an der Weltausstellung 1904 in Saint Louis Missouri erfunden. Und ich bin mir sicher, dass der Ausblick auf die Freuden eines leckeren Glaces Sie trotz der historischen Aspekte nicht kalt lässt.

Sophie, 16. August 2015

16. August 2015
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